Was ist Latein?

Latein war ursprünglich die Sprache der Latiner, eines Volkstammes, der schon vor etwa 3000 Jahren in der Mitte Italiens, in der Region Latium (heute Lazio), lebte. Dort entstand durch den Zusammenschluss mehrerer kleiner Bauerndörfer auf den Hügeln am Fluss Tiber eine größere Siedlung, die schnell zu einer Stadt heranwuchs. Der Name dieser Stadt war Roma – Rom.

Zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 2. Jahrhundert n. Chr. wuchs und expandierte die Stadt, es entstand das Römische Reich, das sich über ganz Europa, Nordafrika und den vorderen Orient verbreitete und seine Spuren hinterließ. Im ganzen Reich wurde Latein gesprochen, zuerst nur als Verwaltungssprache der Soldaten und Beamten, später als erste gemeinsame europäische Muttersprache.

Nach dem Ende des Römischen Reiches lebte die Sprache weiter. Latein blieb die Sprache der Verwaltung, es wurde die Sprache der Kirche und der Wissenschaft. Auch wenn sich die alltägliche Sprache veränderte und neue Sprachen daraus hervorgingen, wurde Latein auch weiterhin von vielen Menschen gesprochen und geschrieben. Noch bis ins 19. Jahrhundert wurden viele wissenschaftliche Abhandlungen auf Latein verfasst, in der katholischen Kirche ist die Sprache der alten Römer Amtssprache bis heute.


Warum ist es heute sinnvoll, Latein zu lernen?

Erbe der Antike
Auf vielen Gebieten hat das Römische Reich unsere europäische Geschichte stark geprägt, die Auswirkungen sind noch bis heute spürbar. So liegen Texte lateinischer Autoren vielen Werken in Literatur, Musik, Kunst, Film etc. zugrunde. Die römische Zivilisation, Theologie, Philosophie, Mythologie, Justiz und Politik wirken sich auf die Gegenwart aus, die Folgen des Römischen Reiches ziehen sich wie ein roter Faden durch die europäische Geschichte.

Fremdwörter/Lehnwörter
Besonders im Bereich der Wissenschaft ist die jahrhundertelange Dominanz der lateinischen Sprache zu erkennen, hier sind viele Fremdwörter lateinischen Ursprungs (Motor, plus/minus, Gravitation, Temperatur, konservativ, Frequenz, Labor…). Auch Lehnwörter, also Wörter, die uns nicht mehr als fremd erscheinen, stammen sehr oft aus dem Lateinischen (Fenster, Mauer, Muskel, Fell, Kopie, Vase). Dazu kommt die Entwicklung der romanischen Sprachen, zum Beispiel Italienisch, Französisch, Spanisch, die direkt aus dem Lateinischen hervorgegangen sind. Latein ist also keine tote Sprache, sondern lebt bis heute in vielen Bereichen fort.

Sprachverständnis
Anders als der Unterricht moderner Fremdsprachen setzt der Lateinunterricht den Schwerpunkt nicht auf das freie Sprechen und Verstehen einer Sprache, sondern auf das Durchdringen eines lateinischen Textes, auf genaue Analyse der Satz- und Textgrammatik. Somit wird der Blick fürs Detail und das Verständnis für die Funktion von Sprache geschult, was dazu führt, dass auch die eigene Muttersprache besser verstanden und beherrscht werden kann.

Kritische Auseinandersetzung/Selbstreflexion
Wer heute die Texte antiker Autoren liest, setzt sich kritisch mit den Ideen und Vorstellungen unserer Vorfahren auseinander und schult dadurch auch die Fähigkeit, die eigene Umwelt zu beobachten und zu hinterfragen: Was nennt Caesar einen „gerechten Krieg“? Wie definiert Vergil einen Helden? Wie baut Cicero eine fesselnde Rede auf, in der er sich selbst gekonnt in Szene setzt? Welche Vorschläge gibt Ovid, in einer Großstadt eine Geliebte zu finden und – nach einiger Zeit – geschickt wieder loszuwerden?
Die kulturelle Nähe auf der einen sowie die zeitliche Distanz auf der anderen Seite schaffen hierbei für die Schüler beste Voraussetzungen, um eigene Erfahrungen und Werte, aber auch aktuelle Politik und Zeitgeschehen auf die Probe zu stellen und zu reflektieren.

Latinum
Wer Latein lernt, erhält – bei entsprechenden Leistungen – sein Latinum. Dies ist in vielen Fachrichtungen, vor allem im geisteswissenschaftlichen Bereich, Voraussetzung für die Aufnahme eines Studiums. Zwar kann es an der Universität nachgeholt werden, dies ist allerdings oft mit vielen Mühen, großen Kosten und enormem Zeitdruck verbunden.

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